Warum spielt man welche Spiele an und nicht andere?
Ich schildere mal meine Wahrnehmung:
In meinen Augen macht es hauptsächlich Sinn auf Sportarten zu tippen, für die man sich selbst interessiert und in denen man im Laufe der Jahre (oder Jahrzehnte) auf natürliche Art und Weise durch regelmäßiges Verfolgen des Geschehens ein immenses Wissen angehäuft hat. Ich habe z.B fast keine Tipps in den unteren deutschen Ligen im Angebot, weil mich diese (Amateur-) Ligen einfach nicht interessieren und ich keinerlei emotionalen Bezug dazu entwickelt habe.
Im Gegensatz dazu reizen mich die europäischen Topligen schon seit ich denken kann; als ich früher selbst noch aktiv Fussball gespielt habe (immerhin hätte ich in der A-Jugend zu einem Regionalligateam wechseln können, habe mich aber für Sex, Drugs & Rock n'Roll entschieden), habe ich früh gemerkt, dass die europäischen Topligen eine große Faszination auf mich ausüben, ich mehr am Fussball insgesamt und nicht so sehr nur an einem Team hing. Obwohl Stuttgart damals noch viel besser war als heute :mrgreen:
Ich will damit nur sagen, dass aus meiner Sicht eine Identifikation mit dem, was man tippt an erster Stelle steht. Klar, kann man auch Tipps nachspielen oder anderen Experten vertrauen aber wenn man wirklich eigene Tipps spielt, dann braucht man die Leidenschaft sich mit der Materie insgesamt auszukennen. Also fallen schon mal ganz viele Ligen weg, die einen einfach nicht interessieren, und es bleiben einige andere übrig, die einen faszinieren.
Zum Stichwort Experte: Ich bewundere jeden, der z.B. in der Regionalliga oder in der österreichischen zweiten Liga ein Experte ist, ausschließlich darauf tippt und damit gut Kohle macht. Allein: Ich könnte mich niemals nur auf ein oder zwei Ligen spezialisieren, weil mein Interesse viel größer ist. Wenn nun jemand behauptet, dass man dass aber weniger Infos und Zeit hat und dadurch die Wettqualität leidet, sage ich, dass meine Erfahrung folgende ist: Je mehr Infos man über ein Spiel hat, je besser man die Mannschaften kennt, desto kompliziert wird es oft, weil je mehr man weiß, je mehr zweifelt man auch an dem, was man weiß. In der Bundesliga kenne ich mich am besten aus, dennoch scheitere ich regelmäßig an ihr, weil ich die Dinge zu kompliziert sehe, Favoritenscheitern vermute, wo gar keins ist und anders herum, viel zu viel in ein Spiel hineininterpretiere.
Die hard facts (Statistik + Form + Verletzungen usw) werden dann oft zu stark durch weiche, dynamisch-irrationale und Gefühlsfaktoren überlagert, die mir den einen oder anderen Tipp verbauen bzw. weil man so viel weiß, bieten sich auch viel mehr Spekulationen an und man verliert oft das Wesentliche aus den Augen. In anderen Ligen vertraut man im Zweifelsfall eher auf die hard facts und es generieren sich nicht so viele Alternativ bzw. Nichtfavoritenszenarien, es hört sich komisch an aber ich glaube an den Faktor der "Überinformation"; man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr.
Das heißt nicht, dass man nicht an alle mögliche und relevanten Informationen gelangen soll, doch es verhält sich eben auch beim Wetten wie mit allem anderen im Informationszeitalter: Nicht die Information selbst ist das Problem sondern die Auswahl der Information und ihre Auswertung.
Damit einher geht auch schon das nächste Problem: Die Vielfalt des Wettangebots! Jeder kennt es: Man ist am Wochenende vom Wettangebot regelrecht erschlagen, zumal, wenn man sich eben nicht nur auf eine Liga spezialisiert hat, sondern eher breiter aufgestellt ist. Hier gilt nun die Maxime: Keep it simple! Lieber setzt man auf ein Spiel, bei dem man sich sicher ist und alles zusammenpasst einen höheren Betrag als dass man vier, fünf zwar interessante und gute Wetten anspielt, von denen aber drei floppen. Die Begrenzung der riesigen Auswahl ist enorm wichtig und schon allein deshalb sollte man sich eben dann doch zumindest auf ein paar Ligen spezialisieren und dort nach value forsten.
Trotzdem würde ich mich nie zu sehr begrenzen, denn insofern Information und Gefühl/Erfahrung grünes Licht geben, kann man auch mal ein Spiel außerhalb des üblichen Horizont oder gar einen anderen Sportart anspielen. Aber halt alles im richtigen Verhältnis. Ob man einen guten Wetter nur an seiner Spezialität erkennt? Irgendwie schon, aber irgendwie auch nicht.
Die Maxime 'Weniger ist mehr' würde ich gerade für das regelmäßige Sportwetten daher groß schreiben (und neben den Bildschirm kleben, wenn es sein muss); nur so vermeidet man, dass man zu viele risikoaffine Entscheidungen trifft, die man später bereut.
Auswahlmechanismen gibt es viele; ich kenne einen Eishockey-Picker, der in der NHL seit ich ihn kenne nur under 1,5 Tore im ersten Drittel anspielt. Brauche ich dafür großes Eishockeywissen? Ich weiß es nicht. Mir würde das gar nicht liegen, immer nur dasselbe Prinzip oder diesselbe Strategie anzuwenden, ohne genau zu wissen, wie erfoglreich er damit fährt, weiß ich, dass die Vielfalt bei der Wettauswahl hier auch ein guter Freund sein kann; denn man hat ja pro Spiel in den europäischen Topligen eine Menge Auswahl;
Grundsätzlich gehe ich gerade die letzte Zeit persönlich bei der Tippauswahl oft von den Offensivreihen eines Teams aus, weil ich immer noch viele Torchützenpicks spiele, obwohl es oft nicht von Erfolg gekrönt ist, aber das sind auch nur geringe Beträge und das ist für mich eher ein Spaß nebenbei. Aber gerade wenn es um ein gewöhnliches Ligaspiel in England, Spanien oder Frankreich geht, schaue ich mir immer erst deduktiv an welche Torschützen gerade in Form sind, wie offensiv oder defensiv ein Team grundsätzlich eingestellt ist.
So führt oft eins zum anderen und man bekommt schon mal eine grobe Übersicht, welche Mannschaft wohl grade imstande ist, ein oder zwei oder mehrere Male zu treffen. Dann bekommt man ein gutes Gefühl für die over/under Wetten; Prinzipiell kann man sagen, dass ich im Gegensatz zu früher, wo ich fast nur 1 x 2 gespielt habe, heute eine viel größere Auswahl abdecken kann, ohne dass ich dabei denke ich mache etwas total riskantes.
Wie das dann genau abläuft, warum man jenes Spiel anspielt und das andere nicht, hat halt mit Erfahrung zu tun; Man bekommt ein Gefühl dafür, was sich meiner Meinung nach hauptsächlich dadurch speist, dass man mehr und mehr in der Lage ist zu erkennen welches Team gerade einfach stärker ist als das Team gegen das es antritt. Das klingt banal aber wenn man sich 70-80% aller Ergebnisse anschaut, dann gewinnt halt oft tatsächlich das Team das gerade stärker ist, was immer stärker dann genau heißt (Form, Verletzungen, Sperren, Stimmung, Rückhalt des Trainers ...); das heißt ausdrücklich nicht, dass damit der Favorit gemeint ist, denn es geht ja mehr darum herauszufinden, ob der persönliche Favorit den Quoten nach auch wirklich Favorit ist, bzw. wie stark er von den bookies eingeschätzt wird; es geht also darum value zu finden.
Trotzdem, und das gilt genauso, ist es unabdingbar zu erwähnen, dass sich durch Erfahrungswerte im besten Falle halt dann tatsächlich ein Riecher ausbildet, der einem mitteilt, Finger weg! da stimmt was nicht. Das heißt dann automatisch nicht, dass man gleich dagegen setzt aber es ist wie eine Art Warnsystem von welchen Favoritenangeboten man sich heute besser nicht blenden lässt (d.h. dann einfach dann z.B. dass man kein value sieht, weil die Zweifel überwiegen); Im besten Fall, und ich glaube schon an eine Wetterfahrung im Sinne eines evolutiven Prozesses, hat man im Laufe der Zeit immer bessere Ideen, weil einfach der eigene Riecher besser geworden ist. Diesem Riecher zuzuhören und zu vertrauen, erfordert Aufmerksamkeit.