Interview mit Josef Schnusenberg zur Finanzsituation
Die Finanzen des FC Schalke 04 werden in diesen Tagen in der Öffentlichkeit diskutiert. Josef Schnusenberg, stellvertretender Vorsitzender der Knappen, nahm zu diesem Themenkomplex in einem Interview mit der „Buerschen Zeitung“ Stellung.
Josef Schnusenberg, in fast jedem Kommentar zum Thema BVB wurde Schalke als möglicher Nachfolge-Kandidat genannt.
Aber das kann ich ja nicht beeinflussen. Ich habe mir den Mund doch schon fusselig geredet. Doch offenbar ist es völlig egal, dass ich ständig betone, dass unsere Situation nicht mit der Dortmunder vergleichbar ist.
Warum nicht?
Ohne die Details in Dortmund zu kennen: Uns gehören alle Rechte, wir denken nicht daran, sie zu verkaufen. Uns gehört zum Großteil das Stadion, wir haben unseren Anteil gerade auf 57 Prozent aufgestockt. Und solange wir hier das Sagen haben, werden wir nicht an die Börse gehen.
Was nicht vor Millionen-Schulden schützt. „Focus Money“ berichtet in seiner aktuellen Ausgabe von 17 Millionen Euro Verlust „auf Schalke“ im Jahr 2004. Mit 110 Millionen Euro sei Schalke außerdem der Bundesliga-Verein mit den höchsten Schulden. Stimmen die Zahlen?
Sie stimmen, aber man muss das relativieren. In den 17 Millionen Euro Verlust sind 13 Millionen Abschreibungen enthalten, also Aufwendungen, die sich auf die Vergangenheit beziehen. Bleiben vier Millionen, damit liegen wir im Bundesliga-Schnitt. Und die Schulden haben wir nun mal, aber das ist doch alles kein Geheimnis. Mit diesen Schulden wird Schalke aber auch noch die nächsten 20 Jahre leben müssen.
Abschreibungen hin oder her – können Sie noch ruhig schlafen?
Ruhiger als je zuvor. Wissen Sie: Ich habe den Eindruck, dass der Begriff Schulden oder Verbindlichkeiten derzeit eine geradezu panische Reaktion auslöst. Daran krankt unsere Wirtschaft. Was meinen Sie, wo Deutschland stünde, wenn unsere Väter und Großväter niemals Kredite aufgenommen hätten?
Entscheidend ist, dass die Schulden bezahlbar sind.
Sie sind es. Wenn Schalke ein Mandant meines Steuerberatungs-Büros wäre, wäre ich ganz beruhigt. Fragen Sie mal unsere Angestellten oder Spieler, ob die ihre Gehälter mal nicht pünktlich bekommen haben.
Trotzdem: Bayern-Manager Uli Hoeneß hat sich neulich über die Schalker Finanzen so geäußert, wie er es vor zwei Jahren über Dortmund getan hat – und da hatte er prophetische Gaben.
Ich liege mit Hoeneß doch voll auf einer Wellenlänge. Was hat er denn gesagt? Er hat darauf hingewiesen, dass wir ein gewisses Risiko gehen. Das wissen wir selbst, das haben wir auch immer gesagt. Bei der letzten Jahreshauptversammlung habe ich gewarnt: Wenn sportlicher Erfolg ausbleibt, müssen wir eisern sparen.
Wie definieren Sie sportlichen Erfolg – dauerhaft Champions League?
Gar nicht mal. Bei dem, was wir im UEFA-Cup einnehmen, würde der reichen, um auf jetzigem Niveau weiterzumachen. Wenn wir dieses Ziel nicht erreichen, muss man neue Überlegungen anstellen.
Schon die letzte Bilanz war wenig erfreulich. Nur durch die ominöse Aktivierung der „Ruine“ Parkstadion in Höhe von 15 Millionen Euro konnte der Verlust auf vier Millionen Euro gedrückt werden. Kommt Schalke nicht mehr ohne solche Bilanztricks aus?
Wenn man Fußball-Klubs mittlerweile ohnehin schon ständig als Wirtschaftsunternehmen bezeichnet, muss man ihnen auch zugestehen, bilanztechnische Rechte anzuwenden. Zum Thema Parkstadion – ich halte die 15 Millionen Euro übrigens für eine Unterbewertung – hat mir neulich ein Banker gesagt: ,Warum regen die sich bei Euch alle so auf? Das ist doch ein ganz normales Bilanzierungsrecht.‘
„Alles ganz normal“ hieß es auch lange in Dortmund. Diese Beruhigungspille erwies sich als untauglich.
Ich hasse diesen Vergleich. Aber eigentlich war mir völlig klar, dass es nach der Entwicklung dort auch wieder neue Spekulationen über Schalke geben würde. Das macht diese Spekulationen aber nicht richtiger.
Immerhin hat Karlheinz Küting vom Institut für Wirtschaftsprüfung der Uni Saarland ihre Finanzverhältnisse als „noch katastrophaler“ als beim BVB eingestuft.
Wenn er meint. Allerdings weiß ich nicht, welche Zahlen er da als Grundlage hatte. Die Bilanz von 2004 kann es jedenfalls nicht gewesen sein – die kennen bislang nur unser Geschäftsführer Peter Peters und ich. Herr Küting sollte nicht versuchen, sich als Hellseher zu betätigen. Wir sind hier keine Hasardeure.
Im letzten Jahr haben Sie es sich verkniffen: Wird die nächste Schalker Bilanz wieder veröffentlicht?
Ja. Und einen Geschäftsbericht wird es auch geben. Dann kann jeder schwarz auf weiß nachlesen, was ich wieder alles Böses verbrochen habe.