Ö. Bundespräsidentenwahl

joker

Bad Motherf*cker
März 29, 2003
3,287
1
0
es ist noch früh, aber Fischer schaut fuer mich nailed on aus - und selbstverständlich lässt sich dies mit einigen hieb- und stichfesten argumenten untermauern, so gewünscht.

vorerst seh ich guten value in den 1,65, die aktuell bei interwetten und bet-at-home verfügbar sind, aktuell hat fischer definitiv mehr als 60%.

einziger unterschied: bah bietet die option "ein anderer" @ 30,0 an, iw ist sich (noch) darüber unklar, was passiert, wenn keiner der beiden gewinnt (rückzug der kandidatur, todesfall, anderer kandidat, etc...).
 
die antwort von iw zur frage, wie im falle des falles verfahren wird - ist ja in anbetracht des alters der beiden nicht soo abwegig..

Sehr geehrter Herr xxxxxxxxx

Wenn einer der beiden Kandidaten, auf den Sie gesetzt haben, nicht zur Wahl antritt, aus welchen Gründen auch immer, gilt die Wette als verloren. Sie können nur auf einen der Kandidaten,in einer Wette setzen und wenn es dieser nicht werden sollte ist die Wette verloren.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Interwetten Team
 
gerne, foxl.

1. ferrero ist eine frau. das ist nicht unbedingtein vorteil - nicht in der politik, und in einem - im grunde seines herzens - erzkonservativen land wie österreich eines ist, schon gar nicht.

2. ferrero ist eine frau, die ein frauenbild vermittelt, das nicht unbedingt dazu angetan ist, junge, liberale, weibliche (städtische) wählerschichten anzusprechen. ein vordergründiges gegenargument mag sein :" frauen wählen lieber frauen", aber was ferrero an frauenbild vermittelt, kann wohl nicht als zeitgemäss angesehen werden: unterwürfig, fast devot (ggüber. schüssel) - stichwort: "jetzt muss aber wieder der chef ran". das (devot) mag fuer feuchte männerträume vielleicht ausreichen - ob frauen sich in einem derartig vermittelten frauenbild wiedererkennen können, muss aber als mehr als fraglich angesehen werden. führungsqualität sieht jedenfalls anders aus.

(/2.1 stichwort führungsqualität - die schlappe ferreros bei der volxs karawane ist noch in guter erinnerung, auch wenn es aktuell nicht in den medien thematisiert wird. hier hat sie deutlich gezeigt, wes geistes kind sie ist.)

3. ferrero ist eine frau, die nicht einmal in ihrer eigenen partei die volle rückendeckung erhält - geschweige denn, dass sie "geliebt" wird, um das einmal so auszudrücken.

4. durch ihre - in aller heimlichkeit durchgedrückte - scheidung macht sie sich in klerikalen/christlichen kreisen keine freunde. technisch gesehen wurde ihre eheschliessung fuer ungültig erklärt (was nicht dasselbe ist wie scheidung), hat nach kirchlichem recht also nie bestanden - denn eine scheidung ist dort schliesslich nicht vorgesehen. Was bleibt, ist dass die ehe "geschieden" ist - und der eindruck, dass sie es sich - mit hilfe der richtigen fürsprecher "richten hat können". das macht sie angreifbar und kann gegen sie verwendet werden.

5. dagegen ist fischer DER Doyän der österreichischen innenpolitik. integer. über jeden verdacht erhaben. ein mann des ausgleichs. unangreifbar - zumindest mit herkömmlichen mitteln. 35 jahre im dienst österreichs. geschätzt auch vom politischen gegner.

das "gewissen" der ö. politik (noch nicht nation, aber das kann noch kommen - obwohl er nie ein intelektueller war). ein besonnener mahner, feind jeglicher radikalisierung. ( entspricht genau dem Anforderungsprofil füer das amt des bundespräsidenten).

6. Fuer Fischer wäre das Amt des BP ein würdiger Abschluss seiner langjährigen Karriere - einer Karriere, die immer im dienste österreichs gestanden hat. Österreich könnte sich auf diese art bei einem grossen Politiker sozusagen fuer sein lebenswerk "bedanken". das weiss auch schüssel. er wird daher nicht die schmutzkübelkampagne auspacken (fast sicher), vielleicht sogar gar keinen grossen widerstand leisten (spekulation). Denn das amt des BP ist - im endeffekt - doch ein verzichtbares.

7. Der Ausgleich Kanzler - Bundespräsident (BP). Die nachkriegsgeschichte österreichs zeigt, dass das volk gerne jemanden "von der anderen farbe" als bp wählt, als der, der gerade kanzler ist - sozusagen als "ausgleich" - als "gegengewicht". kanzler rot(vranitzky, klima) --> BP schwarz (Waldheim, Klestil). kanzler schwarz (schuessel) --> BP ???

8. die politische "grosswetterlage" in österreich. 5 wahlen stehen an dieses jahr - und bei allen wird damit gerechnet, dass schwarz als verlierer enden wird. das hat einfluss bzw. erzeugt stimmung, loserimage, usw..

9. "Denkzettel". BP-Wahlen waren IMMER (auch) Denkzettelwahlen - eine möglichkeit, es der regierenden partei "zu zeigen", - ohne dass viel passiert. das wird auch diesmal nicht anders sein.

10. last, but not least: Ehrlichkeit, Sympathie, "Liebe". Ferrero ist falsch - ihr lächeln ist aufgesetzt. Sie meint es nicht ehrlich. Sie hat entweder nicht den Willen - oder nicht die macht, zu ihrer eigenen meinung zu stehen. Bei komplexen Themen nach ihrer meinung gefragt gabs von ihr bereits die null-aussage (sprich: ich muss erst in der parteizentrale nachfragen, was denn so die parteilinie ist - leider kann ich dazu nix sagen. ich könnte zwar, bin aber leider nur eine marionette, deswegen muss ich mich erst nach meiner meinung erkundigen - oder nachdem, was der wolferl dazu meint). das kann man "spüren" - und das "spüren" die menschen auch.

10 gute gegen Ferrero und fuer Fischer - umgekehrt find ich keine 2. alle aktuellen Umfragen - egal von wo - untermauern oben gesagtes - in allen ist Fischer solider Favorit. je nach coleur des meinungsforschungsinstituts ca. 65-35.
 
Super post, danke! Man sieht Du hast dich mit der Materie intensiv auseinandergesetzt. [[yo]]

Was ich aber für irrelevant halte ist das Persönlichkeitsbild der Ferrero. Das ist wahrscheinlich für die jüngeren Wählerschichten relevant aber die meisten Frauen, so ab 40 werden IMO sicherlich Ferrero wählen, rein um der Emanzipation willen. Denen ist es eh egal, ob sie nun "gut" oder "schlecht" ist.

Ich glaube es wird knapp.
 
f0xtr0tt schrieb:
Was ich aber für irrelevant halte ist das Persönlichkeitsbild der Ferrero.

Ich denke nicht, dass man es sich so einfach machen kann. Im Gegenteil.

GERADE bei der einzigen Persönlichkeitswahl, die es noch gibt - im Unterschied zur Parteienwahl - kommt doch - zumindest in der Theorie - der "Persönlichkeit" der einzelnen Bewerber eine gesteigerte Bedeutung zu. (Ganz abgesehen davon, dass bei "herkömmlichen" wahlen im endeffekt ja auch "Personen" - und nicht "Programme" gewählt werden, aber das , so unerwünscht es auch ist - ist eine andere geschichte.)

Und gerade hier - beim persönlichen, bei begriffen wie "ehrlich/glaubwürdig/liebenswürdig/sympathisch usw. schneidet Ferrero aus meiner sicht katastrophal ab. Der eindruck, den sie erweckt, ist vielmehr falsch, gekünstelt, bemüht, verkrampft, unselbständig, untertänig, arrogant, überheblich, unsensibel und teilweise inkompetent.

zustimmen muss ich dem argument, dass viele diese argumente nicht berücksichtigen werden, nicht "logisch" oder nach ihrer überzeugung nach wählen werden, sondern "aus prinzip", "aus parteiräson" und "ohne hirn" - so wie immer halt bei uns. [[grin]]
 
das sind daten, die in dieser detailliertheit wohl nicht so leicht so schnell zu bekommen sein werden.

ein immer besserer, öffentlich zugänglicher indikator werden wahlbörsen, wie sie die grossen printmedien in ihren onlineausgaben durchführen - z.b. standard, profil, presse, kurier, usw. sie schneiden bei aller gebotenen kritik ueberraschend treffsicher ab.