Johnson gibt Nowitzki zum Abschuss frei
München/Dallas - Die Dallas Mavericks sind drauf und dran, innerhalb von eineinhalb Wochen alles zu verspielen, was sie sich in dieser Saison aufgebaut haben.
Dallas liegt gegen seinen Angstgegner Golden State Warriors in der ersten Playoff-Runde mit 1:3 hinten.
In der "Best-of-Seven"-Serie wird so jede weitere Partie zu einem Endspiel gegen eine Mannschaft, gegen die die Mavs schon in der regulären Saison alle drei Spiele verloren haben.
Eine enorme körperliche und psychische Anstrengung. Und das schon zu solch einem frühen Zeitpunkt in den Playoffs, wenn doch die erste NBA-Meisterschaft in der Klubgeschichte das erklärte Ziel der Mavericks ist.
Die Situation ist mehr als beunruhigend. Nicht nur für die Dallas Mavericks. Sondern auch und vor allem für Dirk Nowitzki.
Spiel fünf gegen die Warriors in der Nacht auf Mittwoch und jede weitere Partie in dieser Serie könnten zu einem entscheidenden Wendepunkt in Nowitzkis Karriere werden.
Als MVP zum Sündenbock?
Denn sollten die Mavs gegen den Underdog aus Kalifornien scheitern, dürfte Nowitzki zum Sündenbock erklärt werden. Ausgerechnet Nowitzki, der als heißer Kandidat auf den Titel des "Wertvollsten Spielers" gilt.
Und Mavericks-Coach Avery Johnson öffnet allen Kritikern auch noch Tür und Tor und gibt Nowitzki in Anbetracht des drohenden Playoff-Aus schon mal zum Abschuss frei.
Der deutsche Nationalspieler kommt in den bisherigen vier Spielen nur auf einen Schnitt von 20 Punkten. Zum Vergleich: In seinen insgesamt 80 Playoff-Spielen für die Mavericks hat Nowitzki durchschnittlich 25,4 Punkte erzielt.
Aber es ist nicht Nowitzkis Hänger in der Statistik, der Johnson auf die Palme bringt. Ihm gehen Nowitzkis Erklärungen nach den Niederlagen gegen den Strich.
"So geht das nicht"
"Ich muss die Lücken nehmen, die die Warriors mir anbieten. Und sie bieten mir nicht viel an", so Nowitzki. "Also muss ich zusehen, dass ich irgendwie an anderer Stelle was gewuppt kriege. Noch mehr in der Defensive aushelfen, so aggressiv wie möglich am Brett sein. Wenn ich zum Wurf komme, versuchen den rein zu machen. Und wenn das nicht klappt, den Ball bewegen, so dass ein anderer werfen kann."
So klingt für Johnson nicht der Star der Mannschaft, die zentrale Figur, die Selbstbewusstsein ausstrahlt und so seine Mitspieler nochmal mitreißt.
"Ich kann es nicht mehr hören, wie sie ihn nicht zu seinem Spiel haben kommen lassen und wie das am Selbstbewusstsein nagt. Dass das klar ist: So geht es nicht", sagt Johnson.
"Ich war nie einer der besten und talentiertesten Spieler. Aber: Niemand konnte an meinem Selbstbewusstsein kratzen", so Johnson weiter. "Was wir in Spiel fünf brauchen, sind selbstbewusste Spieler. Und wenn ich das in unserem Abschlusstraining nicht erkennen kann, dann werde ich extrem beunruhigt sein."
Dallas mit dem Rücken zur Wand
Einen 1:3-Rückstand noch umzubiegen, das hat es in der NBA-Geschichte nur acht Mal gegeben. Vieles spricht dafür, dass es bei der Zahl acht bleibt.
Die Warriors, quasi in letzter Minute noch so eben in die Playoffs gerutscht, könnten das dritte an acht gesetzte Team werden, das eine Nummer eins rauswirft.
"Wir fahren mit einem 3:1 nach Dallas. Selbst wenn wir verlieren sollten, dann müssen die Mavericks erstmal wieder bei uns ran, wo wir unsere Fans im Rücken haben", sagt Golden States Monta Ellis, der zum "Most Improved Player" gewählt wurde.
Im letzten Jahr scheiterte Dallas erst im Finale gegen die Miami Heat. Eine Schlappe, an der Nowitzki laut eigener Aussage noch immer schwer zu knabbern hat. Erst der Gewinn des Titels könne diese Final-Pleite aus seinem Kopf vertreiben, so Nowitzki.
Was wäre das für eine Ironie des Schicksals? Die Mavericks scheitern auf ihrer Titel-Mission gleich an der ersten Hürde. Und zugleich würde die NBA Nowitzki zum MVP küren.
Die Nerven bei den Mavs liegen aber sowas von blank....