UFC 282
Die ganz großen Namen fehlen und als letzte PPV-Card des Jahres schon irgendwie schwach, trotzdem eine relativ tiefe Card mit vielen interessanten Matchups.
Jan Blachowicz (29-9) vs Magomed Ankalaev (18-1)
Hier mache ich den Klassiker. Blachowicz als Außenseiter hat immer geliefert. Schon oft hier geschrieben, Blachowicz wird seit ewig unterschätzt. Als Außenseiter gelistet, steht er 9-3! Das ist ja eigentlich unglaublich. 80% ROI als Underdog overall.
Gegen Glover überraschend verloren irgendwie, aber da war er wohl krank/ verletzt, hat dies im Nachhinein gesagt, wollte aber das Event als Mainfight nicht platzen lassen. Keine Ahnung ob eine Ausrede, ich glaube Jan, vor allem sah er in dem Kampf wirklich komplett anders aus als sonst. Gegen Rakic war es ausgeglichen bis zur Verletzung von Rakic. Keine Ahnung wie man den Fight werten soll, im Endeffekt war der Beginn nicht schlecht.
Ankalaev ist Bombe, wird jeden den er auf Distanz halten kann schlagen, Combat Sambo Weltmeister, sehe trotzdem noch Fragezeichen in seiner Defense. Ich glaube irgendwie das Jan, wie so oft schon, überraschen kann.
Ankalaev ist zurecht der Favorit, aber alleine, weil Jan 9-3 als Außenseiter steht, muss ich es wieder probieren. Wer hätte mal gedacht das Jan gegen Adesanya eindeutig gewinnt, gegen Reyes, gegen Rockhold usw. Dazu ist Jan einen Main Fight über 25 Minuten gewohnt. Dies ist sein 7. Auftritt als Main Fight, davon 2x über komplett 25 Minuten.
Ankalaev hat bisher keine Anzeichen für Cardio Probleme gezeigt, außer bei seiner Dummheit gegen Craig, aber bisher war auch nie ein Gegner dabei, der das Format von Jan hat. Thiago Santos hatte es mal, aber nicht mehr zu dem Zeitpunkt wo der Kampf gegen Ankalaev stattfand. Das gleiche bei Anthony Smith.
Groß glauben tue ich aber nicht an einen Blachowicz Sieg, aber ich würde mich auch zu sehr ärgern, gerade jetzt nicht mehr auf Ihn als Underdog zu setzen.
Paddy Pimblett (19-3) vs Jared Gordon (19-5)
Bisher habe ich Paddy ja immer getippt, selbst zu Schrott Quoten und vielen Befürchtungen er wäre overhyped. Overhyped war er und ist er weiterhin. Paddy hat eine von der UFC und Barstool geplante Karriere vorgesetzt bekommen. Beide merken Paddy könnte die Cashcow sein, quasi ein 2. McGregor. Dementsprechend werden Ihm seine Gegner vorgesetzt. Langsam werden sie ein wenig besser, aber auch nichts großartig Gefährliches. Nun sogar als Co-Main Event gesetzt.
Paddy hat sich mittlerweile auch Respekt im Oktagon erarbeitet, seit den letzten Tagen aber das 1. Mal richtig medialen Gegenwind. Er hat sich in einem Interview zusammen mit Dana White gegen den bekanntesten MMA-Journalisten Ariel Helwani gestellt. Der wiederrum hat das komplette Interview und sämtliche Aussagen als Lüge auffliegen lassen. Somit ist Paddy das erste Mal als Lügner und auch Danas Speichellecker überführt worden. Auf Social Media gibt es heftig Gegenwind, viele Fans sind enttäuscht und auch ich bin ein wenig enttäuscht. Bisher kam mir Paddy eigentlich als cooler und straighter Typ vor. Durch die Auflösung von Helwani (Kann jedem nur den 1 Stunden Rant in MMA Hour empfehlen) kann man der Meinung sein, dass der Hype und das Geld Paddy zum Kopf gestiegen sind. Sein Auftreten in der Pressekonferenz gegenüber Topuria kommt einem auch irgendwie seltsam vor. Als ob er jedem beweisen will, dass er der neue McGregor sei…
Das er immer krass zu nimmt um dann wieder krass zu cutten ist bekannt, dass das auf Dauer nicht gut geht, hat man vorher schon angemerkt. Das Paddy defensiv Lücken hat wusste man auch immer. Trotzdem hat er bisher immer geliefert.
Nun sind wir an einem Punkt, wo er weiterhin maximal schrottige Quoten bekommt, gegen einen Gegner der Ihm nicht großartig gefährlich werden kann, aber immerhin 11 UFC-Fights hat, darunter 7 Siege. Er verliert gegen jeden etwas besseren Gegner, schlägt aber immerhin auch Leute wie Joe Solecki, Leonardo Santos oder Paddys alten Cage Warrior Kollegen und Ex Champ Fishgold.
Gordon wird Paddy nicht KO-Schlagen können, auch im BJJ eher unterlegen sein, aber er kann einen Kampf unangenehm machen und immer wieder Decisions gewinnen. Er grinded den Gegner mürbe, macht gute Cage Arbeit und ist bisher der stärkste Gegner von Paddy, mit großer Erfahrung.
Gordon ist ein Ex Junkie, der fast gestorben wäre, aufgrund seiner Abhängigkeit. Er weiß also wie es ist ein Underdog zu sein und Scheisse zu fressen.
In dem Kampf ist Paddy zurecht der Favorit, aber ich denke hier ist etwas zu viel Hype und die Odds zu sehr auseinander. Dazu dieser Helwani vs Paddy Streit, wo Paddy das 1. Mal richtig Antipathien gegen sich bekommt. Möglicherweise macht das auch etwas mit einem. Bisher wird das Thema totgeschwiegen, die Social Media Kommentare sind aber eindeutig und als bisher aktiver Social Media User, wird Paddy das mitbekommen…
Ein Upset ist für mich möglich, auch wenn Dana die Judges schon irgendwie Richtung Paddy bewegen wird. Trotzdem ein Versuch ist es mir wert.
Interessant auch, der erste Bookie der Quoten geöffnet hat, hatte Paddy als Außenseiter.
Bryce Mitchell (15-0) vs Ilia Topuria (12-0)
Für mich eigentlich das interessanteste Duell des Abends. Beides Kämpfer die ich sehr schätze. Mitchell ist zwar im Kopf nicht ganz klar, aber wenn es um das Kämpfen geht, dann hat er bisher 100% geliefert. Immer mit einem klaren Gameplan der nur auf den Sieg abzielt. Ohne große Showeinlagen oder irgendeinen Blödsinn im Oktagon, er hat bisher geliefert.
In der UFC steht er 5-0, inkl. Ultimate Fighter Gewinner. Immerhin Leute wie Charles Rosa, Andre Fili und zuletzt Barboza besiegt. Gerade gegen Barboza war extra klasse, weil er nicht nur Grappling ausgepackt, sondern einen Barboza im Striking dominiert hat. Barboza wurde sogar gedropped und damit hätte vorher niemand gerechnet. Mitchell scheint sich im Striking wirklich verstärkt zu haben und hat den Fight IQ um perfekt Takedowns anzusetzen.
Bei Mitchell weiß jeder, dass Takedowns kommen und er Controlltime sichert, aber seine Striking Stats sind auch sehr gut. 2.28 Strikes landed per Min, 63% Accuracy und kassiert nur 1.39 Strikes per Min. Für die Gewichtsklasse ist er sehr schwer zu treffen.
Topuria ist ein riesen Talent. Der hat schon vor der UFC gegen gute Leute bei Cage Warriors oder Brave gewonnen. In der UFC einen Zalal, Damon Jackson, Ryan Hall und Jai Herbert besiegt. Gegen Herbert hat man aber in der 1. Runde etwas Probleme gesehen, wobei ich denke es lag an der Größe von Herbert und der neuen Gewichtsklasse. Daran musste er sich erstmal gewöhnen. Trotzdem, Mitchell ist mit Abstand das größte Kaliber was er jemals gekämpft hat.
Topuria ist ein wenig ähnlich wie Mitchell. In etwa die gleiche Statistik und insbesondere, 100% Takedown Defense. Allerdings hat er bisher gegen keinen der annährend eine Takedown Offense hat wie Mitchell. Hall 9%, Herbert macht keine Takedowns und Zalal war auch nichts. Wo Topuria stärker sein sollte ist das BJJ. Da ist er Bombe, allerdings auf UFC-Niveau auch noch niemand Submissed. Alle Submissions kommen von pre UFC-Zeiten und Mitchell kann sich im BJJ auch verteidigen.
Overall ist das ein Knallerfight, wo der Gewinner direkt Richtung Title Contender kommen sollte. Beides sehr gute Wrestler/Grappler, Topuria ein Top BJJ-Kämpfer, Bryce Mitchell auch mit Black Belt im BJJ und einer unfassbaren „Bauernstärke“.
Mitchell hat einen Dachschaden, aber irgendwie glaube ich, dass genau das hier von Vorteil sein könnte. Unfassbar kräftig, guten Gameplan, mega Cardio und im Striking sich sehr stark verbessert. Topuria hat noch nicht gegen wirklich gute Leute gekämpft, Mitchell dagegen schon Filli oder Barboza klar besiegt.
Was auch interessant ist, beide unter dem gleichen Management, Mitchell wollte Topuria schon dieses Jahr früher kämpfen, aber die UFC und das Management meinten nein, Topuria braucht länger um Gewicht zu machen. Topuria zuletzt mit Problemen bei Weight-Cuts.
50/50 Kampf, wo ich mich an die höhere Odd rantraue. Mitchell auch 8cm Größer und 3cm mehr Reach. Das sich Topuria mit größeren Gegnern nicht komplett Wohlfühlt, hat der letzte Kampf bewiesen.
Jay Perrin (10-6) vs Raul Rosas Jr. (6-0)
Rosas ist ultra jung, musste eine Sonderlizenz haben um Profikämpfe zu machen. Im Oktober 18 Jahre alt geworden und darf nun in der großen UFC ran.
Um ehrlich zu sein sieht er nicht auch wie frisch 18, sondern eher Anfang 20, aber trotzdem sieht man, dass da der Körper noch nicht komplett entwickelt ist. Seine Gegner bisher waren allesamt Schrott, aber man kann auch nichts bei einem 17–18-Jährigen zu Beginn der Karriere erwarten. Sein Auftritt in der Contender Series war ok, aber auch nichts wo man vor Begeisterung umfällt. Alles steht und fällt mit dem Hype, dass er gerade erst 18 ist. Gutes, dominantes Grappling, aber auch unfähig den Kampf zu beenden.
Perrin hat in der UFC 2 Niederlagen, kein toller Fighter, aber er ist jetzt auch kein kompletter Flop. Ordentlicher Wrestler, ordentlicher Striker und kann viel einstecken. Allerdings ist die Defense sehr schlecht. Er frisst die Schläge und geht weiter drauf. Perin hat gegen einen Aorigileng 15 Minuten gebanged. Davor gegen einen bisher sehr starken Mario Bautista 15 Minuten. Bei Cage Titans immerhin einen Veteranen wie Johnny Campbell geschlagen.
Also Perrin ist kein toller Kämpfer, aber er ist auch keiner der nach dem ersten Schlag KO geht, ganz im Gegenteil, er geht eigentlich überhaupt nicht KO.
Rosas ist 18 Jahre alt, hat vor 1 Jahr in Tijuana in irgendwelchen Hinterhöfen vor 200 Leuten gekämpft, ist noch überhaupt nicht ausgewachsen und hat einfach sehr viel Hype hinter sich. Zu der Quote ein absolutes No-Go. Perrin ist unangenehm, geht die ganzen 15 Minuten mit, hat immerhin schon 30 Min UFC Zeit, gegen solide Gegner und einmal auf einer großen PPV-Card (UFC 278). Rosas kämpft dagegen das 1. Mal auf großer Bühne und das 1. Mal gegen einen vom Kaliber Perrin.
Nimmt man seine 5 Gegner vor Mando Gutierrez, welcher 7-1 stand. Hatten seine 5 Gegner eine kombinierten Record von 3-3.
Zu der Odd probiere ich Dickschädel Perrin, wobei Rosas natürlich der viel talentierter ist. Reach ist 5cm pro Perrin, Height ist 5cm pro Rosas. Am schlausten wäre, wenn Rosas einfach 15 Minuten Control Time holt, was auch am wahrscheinlichsten ist. Perrin weiß hier kämpft er für seine UFC-Karriere und wird alles im Oktagon lassen.
Jairzinho Rozenstruik (12-4) vs Chris Daukaus (12-5)
Klassischer Rozenstruik Spot. Er kommt nicht mehr Richtung Top 3, aber ist das klassische Heavyweight zwischen Platz 4-10. Zuletzt schwierige Niederlagen, aber eben gegen die besten der Division. N´Gannou, Gane, Blaydes und Volkov. Ansonsten klare KOs gegen Sakai, Dos Santos. Und genau auf Sakai Niveau sehe ich Daukaus. Daukaus hat sich gut hochgekämpft, aber für oben reicht es bei weiten nicht. Ok, gegen Derrick Lewis kann man schnell KO gehen, aber gegen Blaydes so früh ins Delirium geboxt zu werden, ohne jegliches Wrestling?
Daukaus Siege waren gegen Uralte Gegner Abdurakhimov, Oleinik, Parker Porter oder einen irrelevanten Rodrigo Nascimento.
Rozenstruik war Profi Kickboxer, weiß wie er verteidigt und weiß wann er seinen Power Shot ansetzen muss. Alleine über die Zeit mit Blaydes und Gane zu gehen, heißt schon einiges.
Overall ist Rozenstruik der viel bessere Striker, hat hier sogar mal Reachvorteile und eine sehr gute Takedowndefense. Daukaus sollte hier überfordert sein, hat 20 Pfund weniger Gewicht und ich sehe Ihn auch etwas anfälliger KO zu gehen. Normalerweise sollte Daukaus sich im LHW probieren, keine Ahnung wieso er auf Teufel komm raus im HW sich beweisen will.
Chris Curtis (29-9) vs Joaquin Buckley (15-5)
Curtis Siegeszug wurde zuletzt gestoppt. Allerdings als late replacement, mit kurzfristiger Anreise nach London, gegen einen soliden Hermansson, der einfach viel größer und länger als Curtis war. Nun kommt Buckley, welcher eine Wundertüte ist. Verliert gegen einen Di Chirico, gewinnt gegen einen Duraev, wird dann von Imavov vorgeführt. Jemand der irgendwie immer noch von diesem Jahrhundertko gegen Impa lebt, aber auch nicht so richtig vorrankommt.
Curtis ist auch schon 35, hatte mit dem Siegeszug von 8 Wins (3 davon in der UFC) zuletzt einiges an Aufmerksamkeit gewonnen. Ein Underdog, der eigentlich schon raus war, aber plötzlich mitten im UFC-Business ist. Curtis wird aber auch nicht mehr großartig hochkommen, allerdings traue ich Ihm Upsets zu.
Er hat 100% Takedown Defense und eine Waffe von Buckley ist Takedowns einzustreuen. Er ist aber auch nicht so stark, dass ich hier Curtis 100% fallen sehe. Ich gehe also von einem kompletten Striking Fight aus. Und hier hat Curtis einfach 6 Strikes Landed per Min mit 54% Accuracy. Er kassiert auch 6.39 Strikes per Min, aber er geht das Risiko zu Beginn des Kampfes bewusst ein, um den Gegner nach ein paar Minuten studiert zu haben. Buckley mit der Hälfte des Outputs und mit nur 32% Accuracy. Dazu wird er auch 3.42-mal getroffen pro Min.
Bei möglicherweise 15 Min Striking, gehe ich mit dem Underdog, da Curtis einer ist der genau das liefert, was man erwarten kann. Buckley hat natürlich eine gute Power, aber fand Ihn zuletzt nicht besonders gut. Für mich 50/50 wo ich den Underdog ausprobiere. Und Curtis ist der Underdog in Persona.
Height/ Reach ist komplett ausgeglichen.
Billy Quarantillo (16-4) vs Alexander Hernandez (13-5)
Alex cuttet eine Gewichtsklasse runter, ist trotzdem kleiner, sollte normalerweise mehr Kraft haben, aber was macht das alles mit seiner eh problematischen Cardio? Hernandez hat immer eine tolle 1. Runde im Tank um dann einzubrechen und KO zu gehen. Meist schon in der 2. Runde. Gegen schlechte Gegner holt er seine Siege relativ souverän, gegen etwas Stärkere gibt es Probleme.
Quarantillo ist kein Moicano oder Dober, aber er ist ein guter Action Fighter in seiner Gewichtsklasse. Für die Gewichtsklasse hat er einige KOs insbesondere in Alex´ problematischer 2.-3. Runde. Billy hat die meisten significant strikes per minute in der Gewichtsklasse EVER. Er hat eine absolut heftige Cardio und eigentlich muss er nur die 1. Runde überleben.
Billy hat gegen Burgos natürlich eine ganz kranke Schlacht gehabt und hat seitdem auch 13 Monate Pause gemacht. Ich denke, dass war genau der richtige Schritt nach so einer Schlacht und genug Zeit um sich zu sammeln.
Hernandez hat bisher wenig aus seinem Talent gemacht, er verliert gegen jeden etwas stärkeren Gegner. In der Gewichtsklasse sollte Cardio eigentlich top sein um gegen gute Leute mitzuhalten, aber Hernandez hat eben nur die 1. Runde im Tank.
Wenn man überlegt, dass Hernandez vor 4 Jahren Dariush und PFL Champ Olivier Aubin Mercier geschlagen hat, dann verläuft die Karriere seitdem echt enttäuschend. Der Gewichtsklassenwechsel ist eher ein Verzweiflungsmove. Dieser klappt aber selten und geht meist sogar komplett schief.
Gesamt:
2/10 Billy Quarantillo 1.57 @ Pin
2/10 Bryce Mitchell 2.34q @ Pin
1.5/10 Jairzinho Rozenstruik 1.58 @ Pin
1/10 Chris Curtis 2.5q @ Pin
1/10 Jason Perrin 3q @ Pin
1/10 Jared Gordon 3.08q @ Pin
0.5/10 Jan Blachowicz 3.75q @ Pin