Und die sollen 16 Jahre alt sein
Chinas Turn-Kinder sorgen in Peking für Diskussionen. Währendinländische Medien sie als Heldinnen feiern, will im Ausland niemand andie Echtheit der Pässe der jungen Siegerinnen glauben.
PEKING - Erst ließen sie sich feiern wie neue Volkshelden, dann prasselten unbequeme Fragen auf sie hinein: Chinas Turn-Kinder haben im "Kampf der Systeme" die US-Girls bezwungen und am Mittwoch zum ersten Mal olympisches Gold in der Team-Konkurrenz gewonnen.
In einem dramatischen Duell vor 18 000 Zuschauern im NationalenHallenstadion von Peking hielten die Amerikanerinnen zwar lange mit,zwei Stürze von Alicia Sacramone am Balken und am Boden besiegeltenaber die Niederlage der Weltmeisterinnen. Bronze gewann Rumänien, das damit zum neunten Mal in Serie seit 1976 eine Olympia-Medaille mit nach Hause nimmt. Das deutsche Team war zuvor nach enttäuschender Leistung mit Platz zwölf im Vorkampf gescheitert.
"Eine Chinesin hatte ja noch eine Zahnlücke, wo gerade ein Milchzahn herausgefallen ist. Ich bin überzeugt, dass zumindest drei Turnerinnen das Mindestalter noch nicht erreicht haben", stichelte US-Team-Chefin Martha Karolyi nach dem großen Duell in der Mixed Zone.
"Aber ich kann es nicht beweisen", fügte siekleinlaut hinzu. Schon im Vorfeld der Spiele waren die spindeldürrenMädchen He Kexin, Yang Yilin und Jiang Yuyuan in die Schlagzeilengeraten, weil selbst ältere chinesische Aufzeichnungen und Meldelistensie mit anderen Altersangaben führten, als nun plötzlich ihre Pässeausweisen.
"Nie im Leben sind die 16. Sie sind 12,höchstens 14 Jahre alt. Ich bin viele Jahre Turn-Trainer gewesen undich weiß, wie Mädchen mit 14, 15 oder 16 aussehen", entrüstetesich Bela Karolyi, der vor Jahren die Turn-Geschäfte an seine Frauübergab und nun als NBC- Kommentator in Peking weilt.
"Aber die meiste Frustration habe ich wegen der Arroganz derChinesen. Die denken doch wirklich, wir sind alle dumm", fügte er hinzu. "Es darf doch nicht sein, dass solche Kinder sich hier durchsetzen. Ich hatte gehofft, dass sich die Fraulichkeit der Amerikanerinnen durchsetzt", erklärte die deutsche Cheftrainerin Ulla Koch.
Inder Pressekonferenz mussten sich die strahlenden Siegerinnen dannplötzlich von ausländischen Medienvertretern völlig ungewohnte Fragenanhören, bei denen es immer wieder um ihr Alter ging. "Ich bin 16. Und was andere sagen, interessiert mich nicht", bekräftigte die zierliche, nur 33 Kilo schwere He Kexin - und das ohne rot zu werden.
Die internationalen Reporter ließen trotzdem nicht locker, bis hinzu der Fangfrage, wie He ihren 15. Geburtstag gefeiert habe. "Ganznormal, im Kreise der Team-Gefährtinnen", antwortete sie, laut Pass am1. Januar 16 geworden war.
Für den Weltverband FIG gelten solche Aussagen nicht als authentisches Material.Selbst das Eingeständnis von Bronzemedaillen- Gewinnerin Yang Yun, dievor TV-Kameras zugegeben hatte, 2000 in Sydney nicht 16, sondern erst14 gewesen zu sein, gilt für den Weltverband FIG nicht als Beweis. "Ein delikates Thema", räumte FIG- Präsident Bruno Grandi zwar vielsagend ein. Aber sein Generalsekretär Andre Gueisbuehler bleibt starr: "Wir können uns nur auf die Pässe verlassen."
Vom kommenden Jahr an sollen neue, für jeden Verband kostenpflichtige Lizenzen, die schon für den ersten internationalen Junioren-Start nötig werden, ein wenig Licht in das Alters-Dunkel bringen. (dpa)
Chinas Turn-Kinder sorgen in Peking für Diskussionen. Währendinländische Medien sie als Heldinnen feiern, will im Ausland niemand andie Echtheit der Pässe der jungen Siegerinnen glauben.
PEKING - Erst ließen sie sich feiern wie neue Volkshelden, dann prasselten unbequeme Fragen auf sie hinein: Chinas Turn-Kinder haben im "Kampf der Systeme" die US-Girls bezwungen und am Mittwoch zum ersten Mal olympisches Gold in der Team-Konkurrenz gewonnen.
In einem dramatischen Duell vor 18 000 Zuschauern im NationalenHallenstadion von Peking hielten die Amerikanerinnen zwar lange mit,zwei Stürze von Alicia Sacramone am Balken und am Boden besiegeltenaber die Niederlage der Weltmeisterinnen. Bronze gewann Rumänien, das damit zum neunten Mal in Serie seit 1976 eine Olympia-Medaille mit nach Hause nimmt. Das deutsche Team war zuvor nach enttäuschender Leistung mit Platz zwölf im Vorkampf gescheitert.
"Eine Chinesin hatte ja noch eine Zahnlücke, wo gerade ein Milchzahn herausgefallen ist. Ich bin überzeugt, dass zumindest drei Turnerinnen das Mindestalter noch nicht erreicht haben", stichelte US-Team-Chefin Martha Karolyi nach dem großen Duell in der Mixed Zone.
"Aber ich kann es nicht beweisen", fügte siekleinlaut hinzu. Schon im Vorfeld der Spiele waren die spindeldürrenMädchen He Kexin, Yang Yilin und Jiang Yuyuan in die Schlagzeilengeraten, weil selbst ältere chinesische Aufzeichnungen und Meldelistensie mit anderen Altersangaben führten, als nun plötzlich ihre Pässeausweisen.
"Nie im Leben sind die 16. Sie sind 12,höchstens 14 Jahre alt. Ich bin viele Jahre Turn-Trainer gewesen undich weiß, wie Mädchen mit 14, 15 oder 16 aussehen", entrüstetesich Bela Karolyi, der vor Jahren die Turn-Geschäfte an seine Frauübergab und nun als NBC- Kommentator in Peking weilt.
"Aber die meiste Frustration habe ich wegen der Arroganz derChinesen. Die denken doch wirklich, wir sind alle dumm", fügte er hinzu. "Es darf doch nicht sein, dass solche Kinder sich hier durchsetzen. Ich hatte gehofft, dass sich die Fraulichkeit der Amerikanerinnen durchsetzt", erklärte die deutsche Cheftrainerin Ulla Koch.
Inder Pressekonferenz mussten sich die strahlenden Siegerinnen dannplötzlich von ausländischen Medienvertretern völlig ungewohnte Fragenanhören, bei denen es immer wieder um ihr Alter ging. "Ich bin 16. Und was andere sagen, interessiert mich nicht", bekräftigte die zierliche, nur 33 Kilo schwere He Kexin - und das ohne rot zu werden.
Die internationalen Reporter ließen trotzdem nicht locker, bis hinzu der Fangfrage, wie He ihren 15. Geburtstag gefeiert habe. "Ganznormal, im Kreise der Team-Gefährtinnen", antwortete sie, laut Pass am1. Januar 16 geworden war.
Für den Weltverband FIG gelten solche Aussagen nicht als authentisches Material.Selbst das Eingeständnis von Bronzemedaillen- Gewinnerin Yang Yun, dievor TV-Kameras zugegeben hatte, 2000 in Sydney nicht 16, sondern erst14 gewesen zu sein, gilt für den Weltverband FIG nicht als Beweis. "Ein delikates Thema", räumte FIG- Präsident Bruno Grandi zwar vielsagend ein. Aber sein Generalsekretär Andre Gueisbuehler bleibt starr: "Wir können uns nur auf die Pässe verlassen."
Vom kommenden Jahr an sollen neue, für jeden Verband kostenpflichtige Lizenzen, die schon für den ersten internationalen Junioren-Start nötig werden, ein wenig Licht in das Alters-Dunkel bringen. (dpa)