Gibt es noch seriöse E-Wallets?

Die Commerzbank musste im letzten Jahr über 40 Mio. Euro an Strafe an die FCA zahlen, u.a. deshalb, weil ihr vorgeworfen wurde, die Identität ihrer Kunden nicht ordentlich überprüft zu haben: https://www.fca.org.uk/news/press-re...ering-failures

"The FCA’s investigation identified failings in a number of areas, including Commerzbank London’s failure to:
Conduct timely periodic due diligence on its clients, which resulted in a significant number of existing clients not being subject to timely know-your-client checks. By 1 March 2017, 1,772 clients were overdue updated due diligence checks."

Die britische Regierung gibt klipp und klar vor, dass der KYC-Prozess auch und v.a. die Bereitstellung von Kontoauszügen beinhaltet:
https://www.gov.uk/guidance/money-la...sponsibilities
https://www.gov.uk/government/public...ssible-version
"The best way to do this is to ask for a government issued document like a passport, along with utility bills, bank statements and other official documents."
"UK or foreign bank credit card or bank statement (dated within the last three months and not printed from the internet)
We do not accept utility bills printed off the internet. Online bank statements may only be accepted if stamped and certified bearing the account holder’s address."

Die AML-Gesetze wurden im letzten Jahr noch einmal verschärft. Nicht nur in UK, sondern europaweit. Bis 2023 soll eine neue, europäische Anti-Geldwäsche Behörde aufgebaut werden. Es deutet alles darauf hin, dass man sich in Zukunft häufiger solchen Überprüfungen unterziehen muss. Wenn man sich allein mal die Entwicklung in den letzten 10-15 Jahren anguckt: 2005 hat ein Personalausweis völlig genügt zur Verifizierung. Das hat sich nach und nach gesteigert (mehrere Adressnachweise, Kontoauszüge, Selfies usw) bis hin zur Source of Funds/Source of Wealth Überprüfung, wo man sich quasi komplett nackig machen muss, was die eigene finanzielle Situation angeht. Seit 2019 ist mir das bei drei Bookies passiert: Tipster, Vbet und Mybet. Manche Bookies mögen dies als Vorwand nutzen, um Auszahlungen zu verzögern oder zu verhindern. Andere Bookies und eben auch Fintechs wie Skrill/Neteller setzen einfach nur die verschärften AML-Regularien um.

William Hill musste auch schon mal dran glauben und wegen mangelhafter Umsetzung der AML Guidelines über 7 Mio. Euro an Strafe zahlen: https://www.theguardian.com/business...ing-commission



Meiner Erfahrung nach ist es eher die Empfängerbank, die Stress macht. Ich wüsste auch nicht, warum Zahlungsausgänge strenger kontrolliert werden sollten als Zahlungseingänge.

Ja, die Identität der Kunden, da bin ich bei dir, dass das Klar geprüft werden muss.

Aber Ausweis, Adressnachweis, Selfie. Damit ist das doch gut.

Was haben UNGESCHWÄRZTE Kontoauszüge der letzten Monate mit deiner Identität zu tun.

Aber, wenn die da der Meinung sind, dass sie es wollen wird es wohl keine Einlenken geben.

Ja die Empfängerbank, kann da Probleme machen. ABer bei Bank zu Bank muss das schon einen Verdacht geben.

Ich kenn das nur aus Österreich und die ZUcken bei mir nicht wirklich wenn Gelder aus der EU kommen, da meine Bank mich nie gefragt.
 
Was haben UNGESCHWÄRZTE Kontoauszüge der letzten Monate mit deiner Identität zu tun.

Es geht, wie gesagt, um KYC und AML, also Anti-Geldwäsche. Wenn ich als Bookie/Fintech Angst vor empfindlichen Geldstrafen* habe, gehe ich halt direkt all in und fordere den Kunden zur maximalen Transparenz auf, sobald es einen "guten Grund" dafür gibt.

Ob die FCA wirklich explizit ungeschwärzte Kontoauszüge verlangt, müsste man dort erfragen. Ein First Level Support eines Bookies/Fintechs wird dir eher nicht sagen können, auf welche behördliche Richtlinie man sich dabei beruft.

*) gerade nochmal nachgeguckt: die FCA hat in den letzten fünf Jahren Geldstrafen in Höhe von über einer Milliarde Euro verhängt; dabei handelt es sich wohlgemerkt nur um behördliche Sanktionen, durch Gerichte verhängte Geldstrafen kommen ggf. noch on top: https://www.fca.org.uk/news/news-stories/2021-fines
Die Deutsche Bank musste auch mal 200 Mio. wegen AML Fails blechen: https://www.fca.org.uk/news/press-re...ntrols-failure
 
Vielen Dank für die ausführliche Erklärung @Schröck

Ich habe die FCA kontaktiert von denen Skrill reguliert wird.
Die Antwort kam ausführlich und in time, sehr professionell. In der Sache leider (oder auch logischerweise) eher nichtsagend. Sinngemäss meinten sie "sie müssten neutral bleiben, diese angeforderten Dokumente könnte die Interpretation der Guidelines durch Skrill sein".
Das sagt allerdings damit aus, dass Kontoauszüge NICHT zwingend nötig sind. Sonst ständen sie ja schwarz auf weiss in den Guidelines der FCA.
Und wäre dem so, hätte Skrill mir auf die Frage, wo es in den Guidelines verlangt würde, einfach den Link schicken können.

"The best way to do this is to ask for a government issued document like a passport, along with utility bills, bank statements and other official documents."
Den Sinn dahinter verstehe und begrüsse ich. Allerdings wäre doch statt Kontoauszügen eine Erklärung der Bank, etwas vom Anwalt oder Steuerberater usw viel eindeutiger. Das ist für die meisten Menschen wahrscheinlich aufwendiger als einfach die Kontoauszüge rüberzuschicken, aber wenn man es freiwillig anbietet...
Mal ganz davon abgesehen, dass man de facto einfach ein eigenes Bankkonto für Skrill aufmachen könnte und hätte damit das Problem nie.

Und btw, vielleicht kennst Du da aus: Verstösst das explizite Verlangen der Kontoauszüge nicht gegen europäischen Datenschutz?
Fällt mir intuitiv schwer zu glauben, dass jeder Firma mal eben wissen darf wo und für wieviel Geld ich einkaufe, ob ich ne Immobilie und zehn Porsche erworben habe, die Nummern meiner Versicherungspolice usw.
 
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Und btw, vielleicht kennst Du da aus: Verstösst das explizite Verlangen der Kontoauszüge nicht gegen europäischen Datenschutz?
Fällt mir intuitiv schwer zu glauben, dass jeder Firma mal eben wissen darf wo und für wieviel Geld ich einkaufe, ob ich ne Immobilie und zehn Porsche erworben habe, die Nummern meiner Versicherungspolice usw.

Das weiß ich leider nicht, sehe da aber auch einen starken Zielkonflikt. Die ernsthaften Bemühungen und das legitime Interesse, gegen Geldwäsche vorzugehen auf der einen versus Datenschutz und Privatsphäre auf der anderen Seite. Ich schätze, wo kein Kläger da kein Richter? Im Zweifel würde sich das prüfende Unternehmen seine Argumentation schon irgendwie GDPR konform hinbiegen können. Zumindest ist in der Verordnung selbst, noch im Kommentar irgendetwas hinsichtlich (un)geschwärzter Kontoauszüge zu finden. Ich denke, eine GDPR-konforme KYC- und AML-Verifizierung würde eine teilweise Schwärzung von für die Prüfung irrelevanten Informationen wie Kleinbeträge u.ä. gestatten, analog: https://www.datenschutz-notizen.de/d...angen-0318016/
 
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