Die Szenerie ist eine bizarr erstickte Kakophonie aus leiser Langeweile, eingefangen im schillernden Glanz in Jeddah. Real Madrid gegen Mallorca. Die Meister des europäischen Fußballs gegen… ja, wen eigentlich? Eine Mannschaft, die man als "die netten Jungs mit den roten Trikots" zusammenfassen könnte. Aber das ist egal, denn dieses Spiel wird keinen Platz in den Annalen des Sports finden.
Auf den Rängen sitzt ein stilles arabisches Publikum, das sich mehr für die Konsistenz seiner Sonnenblumenkerne interessiert als für das Ballgeschiebe auf dem Spielfeld. Hier knackt es. Dort raschelt eine Tüte. Ein dumpfes, rhythmisches Kauen hallt durch die Luft, wie das leise Trommeln von Regentropfen auf einer Blechtrommel. Niemand jubelt. Niemand buht. Die Tribüne wirkt wie eine Messehalle, wo die Predigt vergessen wurde.
Auf dem Feld schleppen sich die Spieler wie halbherzige Marionetten über den Rasen. Bellingham mit einer Drehung, die er tausendmal perfektioniert hat, doch sie führt zu nichts – ein stiller Pass zurück zu Rüdiger, der den Ball mit der Eleganz eines Brückenbauers weiterleitet. Mallorca hingegen spielt so, als hätten sie schon vorher entschieden, dass ein 0:0 ein Sieg für sie ist. Lange Bälle ins Nirgendwo. Verteidiger, die mehr Zeit mit dem Fixieren ihrer Stutzen verbringen als mit dem Ball.
Die einzigen Ausbrüche von Energie kommen von der Werbebande, die in grellen LED-Lettern für Krypto-Apps und schäumende Softdrinks wirbt. Ironischerweise ist das die einzige Bewegung, die man als elektrisierend bezeichnen könnte. Die Zuschauer reagieren nicht. Stattdessen spuckt ein Mann in der zweiten Reihe eine perfekte Fontäne Sonnenblumenkernschalen aus, als sei er ein Alchemist, der aus Langeweile Gold erschafft.
Kein Applaus. Kein Jubel. Das Publikum erhebt sich wie eine Prozession müder Büroangestellter, die zu einer weiteren Schicht am Fließband gerufen wird. Ein arabischer Geschäftsmann im maßgeschneiderten Anzug packt seine Tüte Sonnenblumenkerne ein, gibt seinem Sohn einen müden Klaps auf die Schulter und verschwindet in die Nacht.
"Das war Fußball", denkt man sich, "aber irgendwie auch nicht."