SV Werder Bremen vs. FC Augsburg, 23.03.2010, 20.30 Uhr (kick-off)
Competition: DFB-Pokal 2009 / 2010
Runde: Halbfinale
Stadion: Weserstadion (Bremen)
Schiedsrichter: Gräfe (Berlin)
Vorwort: Berlin, Berlin! Wir fahren nach Berlin! So weit ist es noch nicht. Zwar bilden sich am Horizont bereits die Konturen des Berliner Olympiastadions ab, welches jährlich Austragungsort des DFB-Pokal-Endspiels ist. Doch erst einmal muss mit dem Halbfinale noch eine schwere Hürde genommen werden, um überhaupt in den Genuss der Berliner Luft zu kommen. Verlängerung und Elfmeterschießen nicht ausgeschlossen. Dem Finalsieger winkt dann sogar die große Chance, über den "Umweg" DFB-Pokal ins internationale Geschäft einzuziehen. Wenn heute um 20.30 Uhr (live auf ZDF) der SV Werder Bremen im heimischen Weserstadion Zweitligist FC Augsburg empfängt, dann scheinen die Rollen klar verteilt. Doch der Schein trügt: Der FC Augsburg ist zwar auf dem Papier klar in der Außenseiterrolle, wird die gastgebenden Bremer aber vor erhebliche Schwierigkeiten stellen. Wieso? Seht selbst:
Die Ausgangslage:
Der SV Werder Bremen rangiert in der Bundesliga "nur" auf Platz fünf, der gerade noch zur Teilnahme an der Europa-League berechtigt. Mit dem Hamburger SV, dem VfB Stuttgart, dem 1. FSV Mainz 05 sowie dem VfL Wolfsburg liegen allerdings gleich vier ambitionierte Teams in Lauerstellung, die auf einen "Patzer" der Bremer hoffen und den Europacup-Traum noch längst nicht ausgeträumt haben. Lange Rede, kurzer Sinn: Die Saison lief für Werder Bremen nicht nach Plan, in der Bundesliga wurde das Saisonziel deutlich verfehlt. Im Umkehrschluss bedeutet das für die Mannschaft, dass die aktuelle Spielzeit noch unbedingt mit einem Titel gekrönt werden muss. Der DFB-Pokal bietet dafür die perfekte Gelegenheit. Denn im Falle eines Finalsieges würde die Schaaf-Herde zumindest auf Europas kleiner Fußball-Bühne vertreten sein. Die Frage aller Fragen: Bereitet das traditionelle Sorgenkind - die Defensive - den Bremern auch heute wieder Kopfzerbrechen? Gut möglich, denn Mertesacker & Co. machten nicht nur beim 4:4-Unentschieden gegen den FC Valencia eine unglückliche Figur. Auch gegen den VfL Bochum wiederholte der amtierenden DFB-Pokal-Titelträger seine desolate Defensivleistung und offenbarte, dass in der Abwehr schlicht die nötige Qualität fehlt, um einem echten Spitzenteam gerecht zu werden.
Mit dem FC Augsburg, dem Zweitplatzierten der 2. Liga, wartet in jedem Fall ein harter Brocken. Das Team von Jos Luhukay gewann neun der letzten elf Zweitliga-Partien und präsentiert sich in bestechender Aufstiegsform. Um es auf den Punkt zu bringen: Der FC Augsburg ist ein sehr homogenes Team, das nicht nur durch Kreativität, sondern auch durch Ordnung und Struktur besticht. Die Defensive steht sehr kompakt und stabil, im Angriff geht Top-Torschütze Thurk weite Wege und entzieht sich auf diese Weise den gegnerischen Abwehrspielern. Die meisten Verteidiger machen den Fehler, diese Wege mitzugehen, anstatt im Raum zu decken. Die dadurch aufgerissenen Freiräume nutzen dann oft andere FCA-Offensivkräfte wie beispielsweise Traore. Eine große Stärke der Augsburger ist auch das schnelle Umschalten von Abwehr auf Angriff. Ich denke, dass besonders diese "Geheimwaffe" gegen die Bremer zum Erfolg führen kann. In der aktuellen Form ist der FCA-Express jedenfalls nur sehr schwer zu stoppen. Ganz egal, ob der Gegner RW Ahlen oder SV Werder Bremen heißt. Stürmer Michael Thurk ist zudem die personifizierte Torgefahr mit eingebautem Killerinstinkt (21 Tore in 25 Spielen). Top-Torschütze Thurk ist aber nicht der einzige Leistungsträger beim FCA. Insgesamt bewiesen die Verantwortlichen bei ihrer Transferpolitik ein gutes Händchen und tätigten auch mit Torwart Jentzsch (VfL Wolfsburg), Ndjeng (Hamburger SV) und Traore (Hertha BSC II) echte Top-Transfers. Dass Sinkala rechtzeitig fit wurde, spielt dem FCA sicherlich auch in die Karten. Zudem kann die Luhukay-Elf mit breiter Brust antreten, denn auf dem Weg ins DFB-Pokal-Halbfinale wurde nach einem schwer erkämpften 2:1-Sieg in Ingolstadt der SC Freiburg (1:0), der MSV Duisburg (5:0) und der 1. FC Köln (2:0) aus dem Weg geräumt. Diese Resultate unterstreichen doch recht eindrucksvoll, dass der FCA nicht nur in der Offensive seine Stärken hat.
Kader / wer fehlt?
Werder-Coach Thomas Schaaf kann heute aus dem Vollen schöpfen. Bis auf den verletzten Peter Niemeyer (Sprunggelenksverletzung) stehen alle wichtigen Akteure zur Verfügung. Auf Rosenberg und Jensen verzichtete Schaaf freiwillig. Nachdem Thomas Schaaf gegen den VfL Bochum einigen Stammkräften Verschnaufpausen gegönnt hat, bietet er heute wieder seine stärkste Elf auf und wechselt sechs Mal. Mertesacker, C. Fritz, Frings, Özil, Hunt und Pizarro stehen für Prödl, Boenisch, Jensen, Borowski, Rosenberg und Hugo Almeida in der Startelf. Beim FC Augsburg wird der leicht angeschlagene Ndjeng (Bluterguss) auflaufen können. Auch Sinkala wurde rechtzeitig fit.
Fazit:
Für den SV Werder ist der DFB-Pokal die letzte Chance, eine durchwachsene Saison noch zu retten. Der FC Augsburg hat folglich eine echte Mammutaufgabe vor der Brust: Für die Luhukay-Elf geht es zum amtierenden DFB-Pokal-Titelträger, der in der Bundesliga seit sieben Spielen ungeschlagen ist und heute mit höchster Konzentration zu Werke gehen wird. Dennoch sehe ich eine Chance für den ambitionierten Zweitligisten. Das Team ist perfekt aufeinander abgestimmt und besitzt auch ausreichend Qualität, um selbst spielentscheidende Treffer zu erzielen. Michael Thurk & Co. stehen heute für eine Quasi-Garantie auf einen spannenden Pokal-Fight, der meiner Meinung nach erst in der Verlängerung oder im Elfemeterschießen entschieden wird.
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