Ausgangslage
Die Italiener gelten als eine der erfolgreichsten Nationalmannschaften in der Geschichte des Fußballs und konnten immer wieder Erfolge feiern, auch wenn es zwischendrin Schwächephasen gab. Derzeit sieht es so aus, als würden wir uns am Anfang einer solchen Phase befinden. In der Qualifikation benötigten sie doch das ein oder andere Tor in der Nachspielzeit um Teams wie Zypern und Irland zu bezwingen. In den letzten Tests vor der WM setzte es eine Niederlage gegen Mexiko (1-2) und ein Remis gegen die Schweiz (1-1). Insgesamt wirkt die Defensive, das eigentlich Punkstück Italiens, nicht mehr so stabil wie einst. Grund dafür könnte sein, dass Lippi konsequent an seiner „Alt Herren Truppe“ festhält, die mit ihm vor vier Jahren irgendwie Weltmeister wurde. Auch im Auftaktspiel wird Lippi in der Abwehr wohl auf Cannavaro (36) und Zambrotta (32) vertrauen, von denen zumindest ersterer seinen Zenit deutlich überschritten hat. Paraguay besitzt seine Qualitäten auf anderen Positionen und spielt diese auch gut aus. Sie sind in der Offensive besser als hinten in der Verteidigung. Dies bewiesen sie auch in der Qualifikation, wo sie lange den ersten Platz belegten und am Ende nur einen Punkt hinter Gruppensieger Brasilien landeten. In den letzten Tests verloren sie zwar gegen Irland (2-1), konnten aber gegen die Elfenbeinküste unentschieden spielen(2-2) und gegen Griechenland gewinnen (0-2). Die tolle Offensive von Paraguay lässt schöne Spiele vorausahnen, in denen stets alles drin ist.
Teams
Fast traditionell besteht der italienische Kader fast ausschließlich aus Akteuren der heimischen Serie A. Die einzige Ausnahme bildet Stürmer Giuseppe Rossi, der beim spanischen Erstligisten Villareal unter Vertrag steht. Die meisten Spieler kommen von Juventus, so auch ihr wohlmöglich Bester: Gianluigi Buffon. Mit seinem Alter von 31 Jahren liegt er im Durchschnittsalter derjenigen, mit denen er 2006 die WM gewann. Lippi hält an dieser Truppe fest und hat neben Buffon noch acht weitere Spieler im neuen Kader übernommen. Cannavaro (Abwehr, 36), Camoranesi (Mittelfeld, 33) und Iaquinta (Sturm, 30) kommen vom siebten der Serie A, Juventus Turin. Gattuso(M, 32), Pirlo (M, 31), Zambrotta (A, 33) stehen beim drittplatzierten AC Milan unter Vertrag. Der Rest ergibt sich aus Gilardino (S, 28) vom AC Florenz (11.) und De Rossi(M, 27) von AS Rom (2.). Frisches Blut gibt es kaum, von den wenigen Spielern unter 25 dürfte man höchstens von Chiellini (25) und Marchisio (24, beide Juventus) etwas sehen. Paraguay kann nicht auf so viele erfolgreiche Spieler zurückgreifen. Die bekannteren Spieler sind mit Roque Santa Cruz (Man City), Oscar Cardozo (Benfica), Valdez und Barrios (beide Dortmund) im Sturm zentriert, auch wenn Santa Cruz unter Trainer Martino häufig hinter zwei Spitzen im offensiven Mittelfeld spielt. Die meisten anderen Spieler stehen in Argentinien oder anderen südamerikanischen Ligen unter Vertrag. Dennoch verfügen sie über andere Qualitäten, die sich in ihrer Entschlossenheit, der Eingespieltheit und dem Optimismus ausdrücken, den sie an den Tag lagen. Fast niemand ist aus den Teams von 2002 oder 2006 übrig geblieben. Martino hat sie durch technisch versierte und spielstarke Spieler ersetzt, bei denen „die Mischung stimmt“. Problematisch sind eher die teils fehlende Konstanz und der große Leistungsunterschied zwischen den Akteuren auf dem Platz und denen auf der Bank.
Stärken und Schwächen
Wenn Deutschland eine „Turniermannschaft“ ist und dieses Phänomen wirklich existiert, dann ist Italien auch eine. Sehr häufig qualifizierten sie sich mit schwachen Leistungen geradeso für große Turniere, wo dann zumeist schwache Gruppenphasen gespielt wurden. Richtig in Fahrt kamen sie meist erst ab dem Viertelfinale. Lange Zeit galt ihre Defensive als größte Stärke der Italiener. Mittlerweile muss man dies wohl auf Torwart Buffon reduzieren, der als einziger konstant seine Leistung auf hohem Niveau hält. Dennoch blieben sie in den zehn Qualifikationsspielen gegen zugegebenermaßen leichtere Gegner, nur in vier Spielen zu Null. Im Mittelfeld soll Pirlo, aber auch nur er, für Kreativität sorgen. Seine Geniestreiche sollen dann im Sturm meist von Iaquinta und Gilardino verwertet werden. Dass dies nicht immer klappt, zeigen die letzten Tests in denen Italien drei Tore in fünf Spielen schoss. Zielsicherer zeigt sich da Paraguay. In der gleichen Anzahl von Testspielen erzielten sie mehr als doppelt so viele Tore (7) und präsentierten sich über weite Strecke auch in der Defensive gut. Paraguay stellte mit nur sechszehn Gegentoren die zweitbeste Defensive Südamerikas, hinter Brasilien (11). Unter Gerardo Daniel Martino erzielten sie das beste Qualifikationsergebnis ihrer Geschichte, wodurch sie sich auch Chancen bei dieser WM ausrechnen. Dadurch dass sie hinten gut stehen und vorne enorm gefährlich sind, zählen sie auf jeden Fall zu den Favoriten dieser Gruppe.
Direkter Vergleich
18/08/2004 Paraguay 1:0 (1:0) Italien Olympia Erste Runde
22/04/1998 Italien 3:1 (2:0) Paraguay Freundschaftsspiel
02/07/1950 Italien 2:0 (1:0) Paraguay Gruppenspiel-WM
Einschätzung
Wie bereits erwähnt, glaube dass die Italiener den Generationswechsel verpasst haben und Besserung, wenn überhaupt erst durch Prandelli nach der WM kommt. Sie haben Lippi einiges zu verdanken, schließlich führte er sie 2006 zum Titel. Dennoch ist er mittlerweile der falsche Mann am falschen Platz. Das könnte eine ganz schlimme WM werden für ihn und seine „alten Kumpels“. Das Team aus Paraguay ist jünger, dynamischer, offensiv stärker und sicherlich auch eine Spur bissiger. Ich kann hier mit gutem Gewissen auf Paraguay tippen. Einzig Buffon traue ich zu, hier einen Strich durch die Rechnung zu machen. Für Quoten um 4 ist das jedoch ein Risiko das ich eingehen kann. Müsste ich ein Ergebnis tippe, würde ich klar zu einem 1-2 tendieren.
Tipps
Sieg Paraguay 4,00 4/10
Paraguay Endstand 1-2 18,00 1/10
Beides bei Betfair